Über die Geschichte der von-Schmidt-Zabierow-hütte

Die Geschichte der von-Schmidt-Zabierow-Hütte spiegelt mehr als ein Jahrhundert alpiner Entwicklung wider. Von der Erschließung der Loferer Steinberge durch die Sektion Passau des Deutscher Alpenvereins über die Einschnitte der Weltkriege bis zu modernen Umweltmaßnahmen erzählt sie von Wandel, Kontinuität und Verantwortung im Hochgebirge.

1. Die Anfänge (1888 bis 1904)

Erschließung der Loferer Steinberge

Im Jahr 1888 übernahm die Sektion Passau die Loferer Steinberge als Arbeitsgebiet. Ziel war es, das bis dahin wenig erschlossene Gebirge für Bergsteiger zugänglich zu machen.

In den 1890-er Jahren entstand eine neue hochgelegene Schutzhütte. Während der Bauphase wurde sie zunächst als „Loferer Hütte“ bezeichnet.

Am 9. September 1899 wurde die Hütte feierlich eröffnet und nach dem Sektionsgründer Josef Schmidt Edler von Zabierow benannt. Sie war die erste feste Hochgebirgshütte der Sektion Passau in diesem Gebirge.

Der Namensgeber selbst konnte die Hütte krankheitsbedingt nie besuchen; er starb 1904.

Portrait_Schmidt-Zabierow

Wer war Josef Schmidt Edler von Zabierow?

Josef Ignaz Leonhard Schmidt Edler von Zabierow wurde am 1. März 1831 in Innsbruck geboren. Sein Großvater wurde bereits 1796 von Kaiser Franz II. für Verdienste um die Landwirtschaft in den Adelstand erhoben. Josef Schmid wurde zunächst Offizier (Kaiserjäger), kämpfte im Österreichisch-Italienischen Krieg und schied später aus dem Militärdienst aus. Danach studierte er in Zürich, Tiefbau und schloss das Studium als Diplom-Ingenieur ab. Er trat dann in den Dienst der österreichischen Westbahn, die den Bau der Eisenbahnlinie von Nürnberg über Regensburg und Passau nach Wien organisierte und wurde während seiner Tätigkeit in Regensburg in den bayerischen Staatsdienst übernommen. In Regensburg trat er 1870 der neugegründeten Sektion Regensburg bei. Deshalb lag es für ihn nahe, nach seiner Versetzung nach Passau dort die Initiative zur Gründung der Sektion Passau zu ergreifen. Das Amt des 1. Vorsitzenden hatte er dann bis zu seinem Tod im Jahr 1904 inne.

2. Die Zwischenkriegszeit

Neue Wege in die Berge

Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) war der Hüttenbetrieb stark eingeschränkt.

In den 1920er- und 1930er-Jahren nahm der reguläre Betrieb wieder Fahrt auf. Die zunehmende touristische Erschließung der Region erleichterte den Zugang zu den Loferer Steinbergen und machte die Hütte zu einem wichtigen Ausgangspunkt für Bergtouren.

3. Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Einschränkungen und Stillstand

Mit der Gleichschaltung des Alpenvereins 1933 veränderten sich die Rahmenbedingungen für den alpinen Vereinssport.

Eine Grenzsperre zwischen Bayern und Österreich erschwerte den Zugang zum Arbeitsgebiet erheblich.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 kam der Hüttenbetrieb weitgehend zum Erliegen.

1944 wurden die Loferer Steinberge schließlich zum militärischen Sperrgebiet erklärt.

4. Nachkriegszeit und Neubeginn

Schwierige Jahre nach 1945

Nach dem Ende des Krieges wurden sämtliche Vereine durch die Besatzungsmächte aufgelöst. Die Hütte stand zunächst unter Verwaltung der US-Besatzungsmacht, während die Eigentumsverhältnisse ungeklärt blieben.

In den späten 1940er-Jahren kam es zu mehrfachen Plünderungen. Gleichzeitig kümmerten sich Bergsteiger aus dem nahegelegenen Lofer um die Hütte und ihren Erhalt.

Erst in den frühen 1950er-Jahren wurde die Hütte dem wiedergegründeten Deutschen Alpenverein und seiner Sektion Passau zurückgegeben. Damit begann erneut ein regulärer Hüttenbetrieb.

5. Ausbau und Modernisierung

Anpassung an neue Anforderungen

Zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren wurde die Hütte in mehreren Etappen modernisiert. Dazu gehörten bauliche Anpassungen und Verbesserungen der Infrastruktur.

1967 wurde die Hütte erstmals mit einem Hubschrauberflug versorgt.

Ein besonderes Umweltprojekt fand 1996 statt:
In Dolinen nahe der Hütte wurden große Mengen an Müll aus früheren Jahrzehnten entfernt.

6. Die Hütte im 21. Jahrhundert

Tradition und Nachhaltigkeit 

Seit den 2000er-Jahren wurden weitere technische Modernisierungen umgesetzt, unter anderem bei:

  • Wasseraufbereitung

  • Energieversorgung

  • Umwelttechnik im Sinne der DAV-Umweltstrategie

Im Jahr 2013 fand eine Bergmesse mit regionaler Beteiligung statt, ein Ausdruck der lebendigen Sektionskultur.

2019 feierte die Hütte ihr 125-jähriges Bestehen.

Heute werden laufend ökologische Anpassungen umgesetzt, um den Hüttenbetrieb nachhaltig zu gestalten.

Seit über 125 Jahren ist die Schmidt-Zabierow-Hütte ein wichtiger Stützpunkt für Bergsteiger in den Loferer Steinbergen – und ein Zeugnis der alpinen Geschichte der Sektion Passau.